Keine Freiheit ohne Bindung

Keine Freiheit ohne Bindung wird eine Skulptur, meine Version einer Freiheitsstatue. Das Holz dafür, eine Douglasie aus Brandenburg, trocknet noch. Das ist wichtig, da ich mit Holzverbindungen arbeiten werde.

Holz für die Skulptur
Holz für die Skulptur

Entwurf für Keine Freiheit ohne Bindung

Ein Körper - zwei Richtungen. EInerseits hin zu andererseits weg von. Aber ich setze nicht zum Sprung an. Meine Flügel brauchen keine Wolken.

KFOB, Entwurf (Zirbelkiefer)
KFOB, Entwurf (Zirbelkiefer)

Demonstration zu Hause. Ein Körper - zwei Richtungen. ...


Die Biographie zur Skulptur

Lehrjahre

Am Ende der Lehrzeit steht das Gesellenstück. Ich hatte bereits das Holz dafür.

Vor achthundert Jahren wuchs eine Eiche empor und wurde nach dreihundert Jahren gefällt. Aus ihrem Holz gearbeitete Bohlen wanderten in ein Haus, das fünfhundert Jahre später abgerissen wurde. Drei der Bohlen lagen jetzt bei mir, in der Berufsfachschule für das Holzbildhauerhandwerk in München.

Am liebsten hätte ich sie so belassen. Die Zeit hatte die Bohlen sozusagen ready made. Ein mich besuchender Freund und Künstler erkannte meinen Konflikt (durch den nicht mehr das Gesellenstück, sondern die Bohlen im Vordergrund standen). Die Meister dachten pragmatisch und rieten mir (eine Bohle ist ein dickes Brett) zu einem Relief. Die Bohlen bloß als Material benutzen? Funkstille. Mein Igelu sollte sich rächen.

Am Tag der Präsentation der Entwürfe überraschte ich sie mit einer Skulptur: zwei Körper auf einen Körper bzw. zwei Bohlen, die eine dritte unter sich halten.

Gute Idee - schlechtes Modell oder besser gar kein Modell. Denn das hatte ich nicht mehr geschafft. Stattdessen lagen drei Streichhölzer auf dem Tisch. Zwei auf eins war wenig überzeugend. Mein Entwurf wurde abgelehnt. Bum.

Mit dem ersten Gefühl wollte ich auf und davon. Aber die Lehrerinnen Barbara Quintus und Angela Koop ließen mich nicht im Stich. Frau Quintus schlug mir vor, ein Porträt zu modellieren und Frau Koop hielt quasi ihren Kopf dafür hin.

Mit dem Porträt von Frau Koop
Mit dem Porträt von Frau Koop

Eine Bandzugfeder ist kein Füllfederhalter. Frau Koop war unsere Kalligraphie-Lehrerin. Bei ihr lernten wir Plakat-große Blätter mit einem Text (in der oder der oder der) Schriftart zu füllen. Jeden Montag stellte sie im Skriptorium Kaffee und Kekse für uns bereit. Wir tauchten ein ins Zeilen-Meer und wir tauchten auf, wenn wir eine Päuschen brauchten.

Wir waren ihre letzte Klasse. Danach lebte sie, bis sie gestorben ist, als Eremitin bei Regensburg.


Kunst Studieren

Mit dem Gesellenbrief in der Tasche begann ich ein Kunst-Studium in Wien. Frage der Professorin: Sie san doch Bildhauerin, oder? Bildhauerin hin oder her – egal, denn ich war an nichts dran. Zwischen mir und z.B. einer Skulptur stand jetzt das Wort Kunst. Bis mir Bernhard seine Lithographien zeigte. Bernhard zeichnete so frei, so sinnlich schwarz auf weiß, daß ich wieder Lust auf das bekam, was ich vergessen hatte: mich auszudrücken oder auch: entdecken anstatt alles erst zu checken.

Bernhard
Bernhard

Sex mit Michelangelo

Die Abschlußarbeit: Mittels Fotokopierer und Schere produzierte ich Ausschnitte aus den Skulpuren Michelangelos, die ich anschließend wieder in Skulpturen verwandelte.

Die Prüfungskommission: Ein Professor hätte sich beinahe auf eine der Skulpturen gesetzt. Ein anderer empfand sie als männerfeindlich. Wiederum ein anderer fragte sich bzw. mich, ob sich auch etwas in den nicht aufgezogenen Schubladen befände. Ich hatte eine kleine Kommode von zu Hause als Sockel mit in die Uni gebracht und bloß die unterste Schublade (für eine der Skulpturen) leergeräumt. Meine Antwort: Unterwäsche, wurde überprüft.

Ausstellung der Dipolmarbeit
Ausstellung der Dipolmarbeit
Sex mit Michelangelo
Sex mit Michelangelo

Ohne Titel
Ohne Titel

Während meines Diploms leitete Erwin Wurm die Klasse. Grundsätzlich gefiel ihm, was ich da machte. Nur nicht mein Focus auf Michelangelo, weshalb er mich aufforderte, auch einmal woanders bzw. bei wem anders zu kopieren. Aus dem Foto einer mit einer Fotografie von Rudolf Schwarzkogler entstandenen Skulptur wurde später diese Collage.


Pieta-Zeichnungen

Während meiner Lehre zur Holzbildhauerin besuchte ich regelmäßig die Arbeiten meiner beruflichen Vorfahren, z.B. im Bayerischen Nationalmuseum. Damals machte ich Bekanntschaft mit der Pieta, mit ihrer schmerzvollen Darstellung, denn die freudvolle sollte ich erst viel später kennenlernen.

Nach dem Studium hatte ich existentielle Sorgen und nahm mir vor, Zeichnungen zu verkaufen. Ich zeichnete einfach los, ohne Motiv. Das kam erst mit dem Stift in der Hand.

Da ich weder einen religiösen noch irgend einen anderen Anspruch an die Pieta hatte, bin ich ihr auf jedem Blatt immer wieder neu begegnet. Daß aus einer Pieta so viele würden, hätte ich selbst nicht gedacht.

Warum ist mir nicht die Lust vergangen? Was war mein Motiv im Motiv?


Die Entdeckung

Wenn ich wieder nach Berlin wolle, dann habe er eine Wohnung für mich, sagte mein Bruder als er mich in Wien besuchte.

Back in town öffnete ich in der Amerika-Gedenk-Bibliothek ein Buch über die Anfänge der Pieta-Vorstellung. Beim Anblick des darin abgebildeten Freudvollen Vesperbildes fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Für mich war die Pieta immer mehr als das Bild der um ihren toten Sohn trauernden Mutter. Gerade hatte ich entdeckt warum. Nicht eine Sekunde lang kam mir Marias Lächeln oder der auf ihrem Schoß sitzende Christus seltsam vor. Der Schmerz ist hier vorbei.

Eine lächelnde Maria lehnt nicht am Kreuz. So eine Pieta ist nicht Szene, sondern Sinnbild!

In der freudvollen Pieta steckt Vertrauen und Geborgenheit. Deshalb sitzt Christus (alias Gott) auf Marias Schoß, wurde auf ihren Schoß gesetzt. Die Vertrauensfrage ist hier geklärt. In meinen Zeichnungen dagegen ist Marias Schoß oftmals keine sichere Nummer mehr. Schoß ja oder Schoß nein, das ist hier die Frage. Mit meinem existentiellen Zugang zur Pieta habe ich den Schoß als sozusagen friedlichen Ort in Frage gestellt.

Gruppenbild mit kopierten ausgeschnittenen Vesperbildern, von denen eines heraussticht, weil es im Gegensatz zu den anderen nicht schmerzvoll erscheint.
Nicht jede Pieta ist ein Still

Hoppe, hoppe Reiter

Freudvolles Vesperbild
Freudvolles Vesperbild

Als ich klein war, spielte meine Mutter Hoppe, hoppe Reiter mit mir. Bei Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumpf zog sie ihre Knie auseinander und ich fiel. Aber nur ein Stück, wußte ich!

Ich möchte das Freudvolle Vesperbild zusammen mit dem Lied ausstellenn. Denn durch die Parallele zum Reim eröffnet  sich eine Perspektive, aus der die Freude des Freudvollen Vesperbildes universell erscheint.


keine freiheit ohne bindung

Ende 2019 werde ich mit KFOB fertig sein und alsbald mit der Skulptur auf Tour gehen.

In dem Video entfernt sich ein Pinguin für immer von seiner Gruppe. Werner Herzog fragt den Forscher: But could they just go crazy because they have had enough of their colony?

Ich
Ich