Fotze am Platz

Vom Einkaufen gekommen, leicht geschwächt durch einen Schnupfen. Kurz vor der Haustür, beim Überqueren der Straße, an der auch ein Platz mit Menschen (Jungs, Mädels, Biertrinkende) liegt, zieht ein Junge, vielleicht zwölf, auf einem Rad sitzend, haarscharf an mir vorbei. Woraufhin ich: Fotze!, rufe.

Der Junge daraufhin rollt wieder an mich heran. Wir bleiben stehen und haben uns etwas zu sagen.

Das schöne an ihm, er fragt, warum ich ihn Fotze nenne. Und ich sage ihm, weil er so nah an mich herangefahren ist. Und dann sagt er, ja, aber er hat mich nicht berührt. Und ich sage, das ist das eine, das andere ist, daß das noch nicht die Grenze ist. Die Grenze ist, daß er so nah an mich rangefahren ist.

Und das hat er verstanden. Und er hat sich entschuldigt. Woraufhin ich mich natürlich auch für Fotze entschuldigt habe. Aber das allerbeste war, daß er mir – ich weiß nicht, ob im Moment der Entschuldigung oder als ich mich entschuldigte – die Hand reichte, so über den Lenker hinweg, und ich ihm die Hand auch reichte und wir uns einen schönen Abend wünschten.